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KÖNIGIN ELISABETH UND GÖDÖLLŐ

KÖNIGIN ELISABETH UND GÖDÖLLŐ

Elisabeth kam 1866 zum ersten Mal nach Gödöllő: damals noch aus protokollarischen Gründen. Sie besuchte das im Reithof des Schlosses untergebrachte Militärhospital, wo die Verwundeten der Schlacht von Königgrätz versorgt wurden. (Ihre Entscheidung, zur Zeit des österreichisch-preußischen Kriegs mit ihren Kindern, Rudolf und Gisella gerade in Ungarn Zuflucht zu suchen, erregte großes Aufsehen.) Sie fand die gemietete Villa in Buda zu klein und die Budaer Burg im Sommer zu warm. Elisabeth sehnte sich nach einem Schloss auf dem Land und ihre Wahl fiel auf Gödöllő. Der Kaiser jedoch wollte - unter Berufung auf die schwierige finanzielle Situation zu Zeiten des Kriegs - kein Schloss kaufen. „Wenn du willst, kannst du zu den Verletzten nach Gödöllő gehen. Aber bitte nicht mit der inneren Einstellung, dass wir es es kaufen wollen, denn ich habe im Moment kein Geld, und in diesen schweren Zeiten müssen wir wirklich streng sparen. Die Preußen haben auch auf unseren Familiengütern schwere Verwüstungen angerichtet, es wird Jahre dauern, das wieder in Ordnung zu bringen. (...( Fast die Hälfte der Pferde musste verkauft werden, und wir werden sehr bescheiden leben müssen.“ schrieb er im August 1866 an seine Frau.

Aber Elisabeths Wunsch kamen die Absichten der neuen ungarischen Regierung zu Hilfe. Der auf der Krönungszeremonie abgelegte Eid verpflichtete Franz Joseph I. zu einem regelmäßigen Aufenthalt in Ungarn. Deshalb wollte die ungarische Regierung dem Herrscherpaar mit der Einrichtung von Residenzen auf dem Lande, die als Ruhesitz geeignet waren und parallel zur als politisches Zentrum geltenden Budaer Burg zur Verfügung standen, entgegen kommen. Verwirklicht wurde nur die Residenz in Gödöllő.

Einer der angesehensten ungarischen Aristokraten des 18. Jahrhunderts, Antal Grassalkovich I. (1694-1771), begann um 1735 das Barockschloss mit dem größten Grundgebiet Ungarns zu bauen. Nach dem Aussterben der Familie hatte es mehrere Besitzer. Der ungarische Staat kaufte es im Jahre 1867 und überließ nach einer raschen Renovierung Franz Joseph I. und Elisabeth als Krönungsgeschenk das Schloss und das Nutzungsrecht am Park.

Das Schloss bestand aus insgesamt 136 Räumen. 103 davon waren Wohnräume, von denen im Jahre 67 vom Personal bewohnt wurden. Die königlichen Suiten wurden im Hauptgebäude, nördlich und südlich des Prunksaals eingerichtet. Vornehmliches Ziel war die Bequemlichkeit und weniger der Prunk. Die königliche Suite hatte eine maisgelbe Holzverkleidung und eine graue Seidentapete. Elisabeths Suite war in ihrer Lieblingsfarbe Veilchenblau gehalten. (Später wurden beide in den Farben Weiß-Rot-Gold renoviert.) Elisabeths Suite bestand aus einem Salon, Schreibzimmer, Ankleidezimmer, Schlafzimmer und Vorlesezimmer. Vom Geschoss führte eine Wendeltreppe in die aus drei Zimmern bestehende Suite im Erdgeschoss. Neben Elisabeths Zimmern wurde die Suite ihrer Vorleserin, Ida Ferenczy, eingerichtet und an sie schlossen sich die Zimmer der königlichen Kinder an.

Den Umbauten während der königlichen Periode fiel das Barocktheater des Schlosses zum Opfer: wo es gestanden hatte, wurden 15 Zimmer errichtet. (hierher kamen zum Beispiel Rudolfs Zimmer, als Marie-Valerie geboren wurde.) Im Südteil wurde das Gebäude des Haupthofmeisters erbaut, der Wagenschuppen wurde um neue Ställe erweitert. Das Schloss war von einem Englischen Landschaftsgarten umgeben mit zwei Schwanenteichen vor der Hauptfassade.

 

Die königliche Familie hielt sich zum ersten Mal im Herbst 1887 im Gödöllőer Schloss auf. Von da an verbrachten sie hier sogar mehrere Monate im Jahr - hauptsächlich im Herbst und im Frühling. Gödöllő wurde für Elisabeth rasch zu einem ihrer Lieblingsaufenthaltsorte, wohin sie sich vor den Pflichten, die in Wien auf sie warteten, flüchten konnte. „Hier hat man seine Ruhe, keine Verwandten, niemand sekkiert dich, im Gegensatz zu Wien, wo die ganze kaiserliche Bagage ist! Hier bedrückt mich gar nichts, ich lebe hier wie im Dorf, ich kann allein spazieren gehen oder Kutschfahrten machen!schrieb Elisabeth aus Gödöllő an ihre Mutter.

Und wirklich war das Schloss ein Ort, der wunderbar geeignet für alle ihre Hobbys war. Wenn sie allein sein wollte, störte sie niemand: sie las, lernte Sprachen, schrieb und ging spazieren. „Das Landvolk von Gödöllő, das Königin Elisabeth anbetete, gab beim Anblick der schlanken, schwarzgekleideten Person respektvoll den Weg frei, weil sie wussten, dass die hochwohlgeborene Frau neugierige Annäherungsversuche nicht liebte.“ schrieb Ferenc Ripka , der Monograph der königlichen Periode des Schlosses über sie. Wenn ihr der Sinn nach Gesellschaft stand, wurden großrahmige Reiterwettkämpfe, Jagden, Windhundrennen und Taubenjagden veranstaltet. Die Elite des ungarischen Pferdesports war hier zu Gast, unter ihnen auch Graf Gyula Andrássy. Die Königin verbrachte nur wenig Zeit mit Unterhaltung. Sie war für ihre große Ausdauer bei der Arbeit und für ihr Pflichtbewusstsein berühmt und diese waren der Grund dafür, dass sie auch in Gödöllő ihre früh am Morgen beginnenden offiziellen Tätigkeiten nur für kurze Mahlzeiten und Spaziergänge unterbrach. Sie nahm auch an den Jagden teil und schoss vor allem auf Hochwild. Trophäen schmückten ihre Gödöllőer Suite und das Treppenhaus.

Die Königin fühlte sich schon immer von speziellen, von den Traditionen abweichenden Dingen angezogen. Sie liebte Zigeunermusik und im Schloss waren mehrmals ganze Zigeuner-Musikkapellen zu Gast. Eine ihrer Ideen erregte in Gödöllő großes Aufsehen und Entsetzen: Marie-Valeries Spielgefährte war ein verkrüppelter Negerjunge. Sie hatte Rustimo vom Schah von Persien geschenkt bekommen.

Sowohl der Alltag als auch die Festtage in Gödöllő verliefen entspannter als in Wien. Der Namenstag der Königin (19. November) fiel in die Herbstsaison. Die Einheimischen feierten ihn mit Serenaden und Fackelumzügen. Die Weihnachten verliefen in inniger Stimmung, wie aus den Erinnerungen von Jácint Rónay, dem Erzieher von Marie Valerie zu erfahren ist: „Abends wurde auf Wunsch von Marie Valerie Blindekuh gespielt und dann ging es wieder an die Arbeit: es wurden Zeichnungen für das Bilderbuch ausgemalt und ausgeschnitten, das die gutherzige Prinzessin für die Kinder bestimmt hatte, die im Kinderkrankenhaus zur Erholung waren. Die Feiertage waren nämlich immer auch ein Anlass für wohltätige Aktionen. Die Familie blieb oft bis Neujahr in Gödöllő. Eine weitere Notiz Rónays aus dem Jahre 1881: „Am Silvesterabend legte der Weihnachtsbaum wieder sein Festgewand an. In einer der Biegungen des Gödöllőer Oberen Parks wurde durch Begießen eine künstliche Eisbahn geschaffen, auf der die Prinzesin und ihre gute Freundin, Prinzessin Aglaia Auersperg von morgens bis abends fröhliche Rutschpartien machten“.

Die Königin verbrachte insgesamt 2663 Tage (7,3 Jahre) in Ungarn - davon etwa 2000 Tage in Buda und Gödöllő. Zum letzten Mal war sie zwischen dem 2. und 24. Oktober 1897 hier. Nach ihrem Tod im Jahr 1898 wurden die Besuche des Königs immer seltener. Zum Gedenken an ihre geliebte Königin errichteten die Ungarn mehr als 40 Denkmäler und 100 Gedenkparks und Wäldchen landesweit. Der Park von Gödöllő wurde als einer der ersten im Jahre 1901 mit einer Ganzkörperstatue der Königin eingeweiht. Die Stadt ist auch heute noch das wichtigste Zentrum des Kultes um Elisabeth in Ungarn.

 



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